
Statement (for English version see below this text)
Einen Gruß in die Weiten des Internets!
Wir dachten, dass nach unserer ausführlichen und unserer Ansicht nach eindeutigen Stellungnahme im Jahre 2007 alles gesagt war – doch vielleicht war es ein Fehler, den Text nach einiger Zeit offline zu nehmen. Wir haben immer versucht, unsere künstlerische Vision jenseits des Internets zu leben (auch wenn einige Kompromisse bspw. gegenüber Label dazu gehörten, auch in einem gewissen Rahmen im Netz präsent zu sein) – aber so haben wir Menschen das Wort überlassen, die bewusst oder unbewusst ein falsches Bild von uns geprägt haben. Wir haben zwar immer wieder in Interviews klare Aussagen getätigt, aber diese waren meist in Printmagazinen und vielleicht waren unsere Positionen für Kritiker auch einfach zu subtil. Anlässlich unseres bald anstehenden 20jährigen Jubiläums wollen wir deshalb noch einmal nachschärfen und ein für alle mal für Klarheit sorgen. Unser Anliegen ist es, noch einmal einige Dinge transparent zu machen.
Das Wichtigste vorneweg:
Heimdalls Wacht ist keine rechtsextreme oder rechtsradikale Band. Weder künstlerisch noch privat haben wir Berührungen mit diesen Strömungen. Wir sind überzeugte Demokraten mit einem deutlichen Hang zur Liberalität. Eine liberale Demokratie halten wir für ein lebenswertes System. Mit Menschen anderer Kulturen haben wir prinzipiell keine Probleme und sehen keinen Wert an sich in einer ethnisch homogenen Gesellschaft. Insofern sind wir politisch nicht einmal in einer „Grauzone“. Weder kokettieren wir mit irgendwas von dem, was uns nachgesagt wird, noch fühlen wir uns einer politisch orientierten Szene zugehörig. Alle Behauptungen in dieser Richtung sind unhaltbare Fehlinterpretationen und Verschwörungserzählungen. Wir verschleiern auch nichts oder simulieren „Harmlosigkeit“. Wir haben keine heimliche Agenda oder sind Teil klandestiner politischer Netzwerke. Die von uns verwendeten Symbole sind keine versteckten „Szene-Codes“, sondern tatsächlich nur Symbole, die wir in einem bestimmten Hintergrund verwenden, um sie mit unserer künstlerisch-ästhetischen Vision zu verknüpfen. Da gibt es keinen versteckten politischen doppelten Boden. Als liberale Demokraten sehen wir das Individuum in der Verantwortung für sein Leben und lehnen kollektive Ideologien kategorisch ab (linke ebenso wie rechte und religiöse). Insofern hegen wir auch nicht viel Sympathie für Ethno-Pluralismus, weil es sich um eine kollektivistische Ideologie handelt. Wir „geben“ uns auch nicht unpolitisch – Heimdalls Wacht IST unpolitisch – und wir als Privatmenschen befinden uns alle irgendwo innerhalb des demokratischen Spektrums. Unsere Radikalität und Rebellion liegt auf der künstlerisch-ästhetischen sowie der spirituellen Ebene. Wir verachten viele Mechanismen und Strukturen der modernen Musikvermarktung und beteiligen uns gar nicht bis sehr zögerlich an dem kommerziellen Spiel, das viele selbst innerhalb einer Szene wie dem Black Metal mitspielen. Da wir keine kommerziellen Interessen verfolgen, ist es für uns auch einerlei, ob wir „erfolgreich“ sind. Wer eins und eins zusammenzählen kann, wird daraus schlussfolgern können: Wir haben keinen Anlass uns irgendwie zu verschleiern oder heimlich doch einer politischen Gesinnung anzuhängen. Wir gewinnen nichts durch dieses Statement. Wir sind genau das, was wir immer wieder betont haben! Wenn wir extreme politische Positionen vertreten würden, würden wir dies offen bekennen – und dafür von Gesinnungsgenossen viel Applaus ernten. Wir tun es deshalb nicht, weil es diese Positionen bei uns nicht gibt.
Im Gegenteil werden sich einige Personen von diesem Statement abgeschreckt fühlen und sich von uns abwenden. Warum schreiben wir es dann? Weil unfassbar viel unfassbar dummes Zeug über uns verbreitet wird. Und: Weil es viele, viele Unterstützer gibt, die seit beinahe zwei Jahrzehnten felsenfest treu zu uns stehen und die wegen ihrem Bekenntnis zu uns immer wieder in schwierige Situationen kommen. Die Spreu trennt sich zwar vom Weizen, aber vielleicht ist es auch einfach mal Zeit, etwas zurückzugeben. Bei diesen Menschen wollen wir uns auf diesem Wege bedanken und wiederum ihnen den Rücken stärken.
Wenn du dich davon angesprochen fühlst und zu diesen Menschen zählst:
Deine Treue und Loyalität machen uns stolz! Unser Dank sei dir gewiss!
Was ist dran an all den Vorwürfen?
Man kann uns vorwerfen, mit Menschen zusammengearbeitet zu haben, die stärker politisch orientiert sind. Man kann uns vorwerfen, dass wir uns geweigert haben, uns politisch klar zu bekennen, weil wir unsere Musik möglichst weit von weltlichen Angelegenheiten fernhalten wollen. Man kann uns Naivität vorwerfen! Man kann uns vorwerfen, dass wir mit Menschen Kontakt hatten, die Kontakt hatten mit anderen Menschen, die wiederum Kontakt hatten mit anderen Menschen, die mal mit Leuten zusammengearbeitet haben, die politische Visionen zum Ausdruck bringen, die nicht die unsrigen sind. Man kann uns auch vorwerfen, dass wir einen Humor haben, den die allermeisten Menschen als vollkommen unangebracht ansehen. Kann man alles machen – man kann uns auch dafür ablehnen. Das ist uns egal! Aber es stimmt einfach nicht, wenn man eine heimliche politische Agenda bei uns selbst vermutet. Das kann man natürlich trotzdem tun – aber es stimmt dann einfach nicht! Kritisiert uns weiter: interessiert uns nicht! Aber dann bitte aus den richtigen Gründen! Und ja, tatsächlich hatten und haben wir Kontakt zu einer ganzen Reihe extremer Menschen – wen verwundert das bitte im Kontext einer extremen Musik? Im Laufe der Jahre hatten wir Kontakt zu Linksextremen wie Rechtsextremen – zu fundamentalistischen Christen und Moslems sowie Atheisten oder Heiden und Satanisten – zu völlig harmlosen und lieben Menschen und gefährlichen, „harten Jungs“ – zu Umweltschützern wie nuklearen Weltzerstörern… ohne deren Ansichten zu teilen! Wir verstehen, dass man sich, um „politisch unbedenklich“ zu sein, heutzutage „Brandmauern“ zulegen müsste, um als unbescholten zu gelten. Das wäre aber das Gegenteil dessen, wie wir Black Metal verstehen. Black Metal reißt Mauern ein – er errichtet keine!
Als liberale Demokraten haben wir lange Zeit mit jedem zusammengearbeitet, der uns in unserer Freiheit nicht beeinträchtigt und uns bei der Umsetzung unserer musikalisch-ästhetischen Vision unterstützt und die in unseren Augen nicht eindeutig politischen Hintergrund hatte. Das ist natürlich Ansichtssache, wer einen politischen Hintergrund hat und wer nicht. Doch jede Zusammenarbeit fungierte ausschließlich vor dem Hintergrund dieses Kriteriums. Uns ist es wichtig, in welcher Art und Weise ein Mensch auftritt – nicht so sehr, was er glaubt, was für ihn wichtig ist. Zudem trennen wir in fast allen Fällen Künstler und Kunst. Wir haben immer mit offenen Karten gespielt und gegenüber unseren Partnern offengelegt, was uns antreibt und was nicht: philosophisch-spirituell fundierter (Black) Metal-Idealismus! Heimdalls Wacht ist ein neo-romantisches Kunstprojekt auf literarischer Ebene in der Tradition der deutschen Romantik nach Ludwig Tieck und E.T.A Hoffmann in Verbindung mit der Kulturtradition indo-europäischer Mythologie und Geschichte sowie lokalpatriotisch-westfälischer Folklore und musikalischer Ausdruck idealistischen Underground-Spirits des Metals im weiteren und Black Metals im speziellen Sinne. Wer damit klar kam, war ein geeigneter Weggefährte. Wer von uns irgendwelche Bekenntnisse verlangte oder uns irgendwie einschränken wollte, kam für uns nicht in Frage. Wenn unser Gegenüber uns vor einen politischen Karren spannen wollte, haben wir dankend, undramatisch und nicht-öffentlich abgelehnt. Ironischer Weise wurde dies nur von der Seite angeprangert, die sich selbst den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit am meisten auf die (rote) Fahne geschrieben hat. Ansonsten kann ich nur betonen, dass die Zusammenarbeit mit Labels, Magazinen und Bands respektvoll verlief, weshalb wir uns auch im Nachhinein nicht von irgendjemandem distanzieren werden.
Dass wir aber sehr wohl unsere Schlüsse gezogen haben, erkennt ihr daran, mit wem wir JETZT zusammenarbeiten und mit wem nicht mehr. Wir haben also sehr wohl immer wieder in den letzten 20 Jahren Konsequenzen gezogen – wir haben sie nur nicht immer an die große Glocke gehängt, sondern mit den Leuten selbst gesprochen und die Kapitel geschlossen, hinter denen wir nicht (mehr) stehen konnten. Da sich aber jeder korrekt verhalten hat, war es uns immer eine Sache des Respekts, da nicht im Nachgang distanzierend nachzutreten und das werden wir auch nicht machen. Größtenteils stimmen also die meisten „Vorwürfe“, mit wem wir alles zusammengearbeitet haben. Sie werden allerdings vollkommen falsch interpretiert. Nahezu alle Dinge, die man uns als problematisch vorwirft, liegen 10-15 Jahre in der Vergangenheit – wir haben unsere Konsequenzen still für uns gezogen und die Band weiterentwickelt – Fehlinterpretationen haben wir immer wieder versucht richtig zu stellen – und immer wieder auch darauf hingewiesen, dass eine Reihe an Vorwürfen auf falschen Quellen oder Falschaussagen beruhen (bspw. bezogen auf Herjann).
Ein Wort an die aufrechten „Demokratiebeschützer“, die oft nur wenig verschleiert tatsächlich einen Systemumsturz befürworten und dafür auch noch Geld von dem Staat erhalten, den sie hassen, und die die Demokratie beschützen, indem sie Demokratie einschränken:
Wir haben viele extreme Menschen jeglicher Couleur kennengelernt - mit extremen Ansichten. Keiner dieser Menschen hatte jemals Hemmungen, diese Ansichten offen zu äußern. Und Bands mit extremen Ansichten geben sich in der Regel auch als Bands mit extremen Ansichten zu erkennen. Umgekehrt haben wir aber auch die Erfahrung gemacht, dass Bands, die klar sagen, dass sie damit nichts zu tun haben, auch tatsächlich damit nichts zu haben. (Es sollte klar geworden sein, dass wir uns zu diesen auch zählen – aber um uns geht es an dieser Stelle nicht.) Wir erleben aber immer wieder, dass dann „Beweise“ herbeikonstruiert und teilweise -fantasiert werden, die einfach nur völlig lächerlich sind. So finden sich bspw. in einem Standardwerk wie „Unheilige Allianzen“ Unmengen an Falschbehauptungen, fehlerhaften Zitatzuschreibungen und dergleichen mehr (neben allerdings zugegebener Maßen vielen korrekten Feststellungen). Kaum jemand überprüft die Quellen – fast jeder schreibt nur die immer gleichen Falschbehauptungen ab. Vielleicht wäre es an der Zeit mal die eigenen Quellen zu überprüfen. Oder die eigene Vorgehensweise! Denn dieses ewige Detektivspielen ist einfach nur noch lächerlich.
Und abschließend ein Wort zum aktuellen Stand „unserer“ Szene:
Black Metal ist unserer Definition nach eine Kunstform, die radikal die künstlerischen Grenzen des Ausdrückbaren erforscht, auslotet und niederreißt. Es gibt keine Rebellion ohne Konfrontation und der Inkaufnahme von Konflikten und Zerstörung. Diesen Geist haben wir konsequent versucht zu leben. Wir haben es für irrelevant erachtet, uns zu erklären. So sind viele Gerüchte entstanden. Wer selbst nichts sagt, überlässt den Falschen das Wort! Heutiger „Black Metal“ spielt zu sehr nach den Spielregeln des politisch-sozialen Zeitgeistes, anstatt diesen in Frage zu stellen. Er simuliert damit nur noch eine künstlerische Pseudo-Rebellion, die inhaltlich leer und künstlerisch bloße Show ist, Black Metal nach dem Motto: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Unserer Ansicht nach ist Black Metal eine ästhetische Kriegserklärung an den Zeitgeist (ob er auch eine politische sein kann, darf diskutiert werden – unserer ist es nicht) – er ist ein Stinkefinger ins Gesicht des blasierten Wohlfühlmenschen – und im Sinne romantischer Philosophie ein Hinweis auf verdrängte Seiten des Menschseins, die irgendwie und irgendwo ihren Ausdruck finden müssen. Denn sie lassen sich nicht zerstören, weil sie unmittelbarer Teil unseres Menschseins sind. Deshalb sagen wir als dessen symbolhafte Botschafter:
Ihr könnt uns nicht zerstören, wir sind ein Teil von euch!
Menschlich und spirituell befindet sich unsere Gesellschaft in einer Sackgasse. Viele, viele Menschen spüren das. Wir sind ein ästhetisches Symptom! Dass viele Kritiker uns hassen, ist für uns eine Bestätigung, weil wir unbequem sind. Wir hoffen, dass jetzt etwas größere Klarheit darüber herrscht, was wir sind und was nicht.
Wir sind der Urschrei des Weltgeistes!
Black Metal ist unbequem
Black Metal ist nicht politisch korrekt
Black Metal verletzt Gefühle
Black Metal provoziert und irritiert
Auf weitere 20 Jahre! Eure Wächter
English Statement
Heimdalls Wacht is not and has never been a political band which includes far right winged politics.
Our rebellion is spiritual and aesthetical.
We are the eruption of Weltschmerz – not a political movement.
But:
Black Metal is never politically correct
Black Metal has to hurt feelings
Black Metal has to provoke and irritate
Black Metal is trouble